Otto Bollhagen - Als Industriemaler   Teil 3

Kritisch gegenüber sich selbst schrieb er: »Ohne jeden Vorbehalt will ich unser Schaffen nur als wirklich dekorative bzw. angewandte Zweckleistungen betrachten, weil ... in erster Linie die Darstellungen in technischer Ausführung absolut den Fachmann befriedigen« mußten. Bei der »Wiedergabe riesiger Werkstätten aus Eisenkonstruktion mit komplizierten Maschinen und in der Herstellung begriffenen Erzeugnisse, oder der Darstellung von großen Hochofenanlagen, Transportanlagen usw. (steht) die rein zeichnerische Seite ziemlich im Vordergrund... Für Leben und Illustration sorgt dann die Malkunst.«  Was Bollhagen dann aus seinen Skizzen und Studien vor Ort im Atelier schuf, war keine »ominöse Ungefährmalerei, die ... mit einigen Pinselstrichen dem mit der erforderlichen Sehergabe ausgestatteten Betrachter im Handumdrehen die großartigsten Dinge auf den Lappen hinwirft,« sondern es waren Gemälde und Tableaus mit »scharfem künstlerischem Blick gesehen und dementsprechend so dargestellt, daß es der Beschauer auch bis ins kleinste scharf und deutlich wiedersieht.

Abgesehen von der Genauigkeit der Wiedergabe war sich Bollhagen der Bedeutung von Licht- und Schattenpartien bewußt. Das Licht als gestaltender Faktor konnte wie bei dem großen Leverkusen-Bild oder bei der Kettenschmiede der Gutehoffnungshütte die Sonne oder bei den Fabrikinterieurs wie im Grobblechwalzwerk oder vor der Schmiedepresse den glühenden Eisen-/Stahlrohling als Quelle haben. Auf diese Weise wurden Stimmungen und Werkstattatmosphäre erzeugt, die Bollhagens Arbeiten auf ein höheres künstlerisches Niveau stellten als eine Vielzahl der zeitgenössischen Arbeiten anderer Maler.

Die wissenschaftliche Behandlung und Erforschung des Industriemotivs in der Malerei steckt noch in ihren Anfängen. Trotz mancher Impulse durch Ausstellungen und die sie begleitenden Kataloge, die eine gute Materialbasis böten, sind wir noch weit davon entfernt, das Industriebild als Bildgattung mit eigenständiger Ikonographie umfassend gewürdigt zu sehen. Dabei haben die ersten Ansätze gezeigt, daß eine allein von einem akademischen Kunstverständnis ausgehende und wertende Betrachtung zu vorschnellen Urteilen gelangt. Denn die formalen Voraussetzungen für die Fabrikdarstellung liegen keineswegs außerhalb jeglicher künstlerischer Tradition.
Sie sind vor allem in den Gattungen der Landschaftsmalerei, der Veduktenmalerei und der Architekturzeichnung zu finden.
Während die Wirtschafts-, Sozial- und Technikhistoriker die Denkmalpfleger, Industriearchäologen sowie die Unternehmens- und Architekturhistoriker seit einiger Zeit die Bedeutung des Industriebildes erkannt haben und es als eine kulturelle Erscheinungsform der Industrialisierung begreifen, die zu erforschen lohnenswert ist, wird selten gefragt, »wieweit sich... die bildenden Künste ... unter dem Eindruck der Industrialisierung veränderten, wieweit sich in ihnen eine spezifische Wahrnehmung dieses Prozesses herausbildete.« Gemeinhin gilt noch immer, daß sich künstlerische Modernität und industrielle Thematik ausschließen, daß in der Malerei nur Künstler zweiten Ranges »die epochale Bedeutung des Themas erkannt und zeitgemäß verarbeitet« haben. 
Klaus Herding hat fünf Gründe herausgearbeitet, die die progressiven Künstler davon abhielten, sich mit der Industriewelt zu befassen.

1. Die Welt der Industrie lag ihnen fern, weshalb vielen Künstlern der Zugang zu ihr fehlte.

2. Die unternehmerische Auftragskunst bot ihnen nicht genügend Spielraum. Fabrik- und Produktionsveduten, Industrieallegorien und Unternehmerporträts wurden fast ausschließlich von privaten Firmenbesitzern bestellt, die auf exakte Objektwiedergabe und Nobilitierung der eigenen Person bedacht waren.

3. Für ein Interesse der Arbeiter am Industriebild fehlte jede finanzielle und ideelle Motivation.

4. Das bürgerliche Interesse galt der Natur, nicht der Industrie. Kritikern und Sammlern war das Industriebild weder poetisch noch bedeutsam genug.

5. Industrieanlagen und Maschinen konnten in den graphischen Medien hinreichend dargestellt werden. Während der Industriephotographie nach der Jahrhundertwende heute ein Kunstwert zugesprochen wird, wird der Graphik ein
Dokumentationswert, aber kein Kunstwert zuerkannt.

zum letzten Teil...

Unsere Leistungen:

  • Malerarbeiten
  • Aussenputz
  • Wärmedämmung
Weitere Leistungen...

Mitglied bei „Die Familienunternehmer-ASU”