Otto Bollhagen - Als Industriemaler   Teil 1

Als Begründung für seine Hinwendung zur Industriemalerei führte Bollhagen an, daß die Darstellung größerer Fabrikbetriebe bisher auf keinem künstlerischem Niveau gestanden habe. Nachdem es ihm gelungen war, »einige derartige Aufträge heranzuziehen und in durchaus künstlerischer Art zu erledigen«, wuchs die Zahl der Aufträge aus der Großindustrie beachtlich an. Die Auftraggeberliste, mit der Otto Bollhagen in den 1920er Jahren um neue Kunden warb, war beeindruckend.

Allerdings war der Anfang zunächst nicht ganz einfach.
Denn rückblickend schrieb er: »Selbstredend mußte das Vertrauen, welches durch diese üblen Erfahrungen auf diesem Gebiete diese Firmen meistens verloren hatten, bei der von mir stets persönlich angestrebten Auftragserteilung erst erworben werden und gerne gab ich meinen Auftraggebern bei der schriftlichen Erteilung der Aufträge zu, nur dann erst zur Zahlung des bedungenen Preises verpflichtet zu sein, sobald ich die künstlerische Arbeit zur vollen Zufriedenheit erledigt hatte.«

Mit welchen Malern die Industrie »üble Erfahrungen« gemacht hatte, erwähnte Bollhagen nicht. Denkbar wäre, daß er u.a. an den aus Trier stammenden und in Österreich lebenden Ingenieur und Maler Weeser-Krell dachte, der seit 1875 perspektivische Gesamtansichten von »Fabriketablissements« anfertigte. Weeser-Krell war einer von Bollhagens direkten Konkurrenten, auch beim NDL. Von Weeser-Krell stammte ein sieben Meter langes Tuschaquarell von Bremerhaven mit mehr als zwanzig Dampfern der Flotte des NDL. Er hatte auch ein Konturenbild von den Anlagen des Stettiner »Vulcan« sowie eine größere Anzahl von Darstellungen bedeutender Fabrikanlagen geschaffen. Er besaß die besondere Gabe, auf Grund der Baupläne perspektivisch konstruierte Schiffsbilder von den in Bau befindlichen Schnelldampfern zu fertigen.

»An der Entstehung (kolossaler Zeichnungen, L.U.S.) fällt der Wissenschaft, der Mathematik, der hervorragendste Anteil zu, während die künstlerische Ausgestaltung nur helfend eintritt... Das Neue liegt aber darin, daß Herr Weeser-Krell von einem Punkte in der Luft zeichnet, an den man nur mittels eines Luftballons gelangen könnte; er konstruiert, nie den Boden der Mathematik verlassend, die ganze Aussicht von einem gedachten Punkt aus.«

Es war aber nicht zu übersehen, daß der Maler »mit fast dürfigen Malmitteln, der Tusche, arbeitet,« wie es 1901 in den Hamburger Nachrichten hieß.
Das Hamburger Fremdenblatt schrieb über dieselbe Ausstellung im Hamburger Kunstverein: »Der besondere Eindruck, den Landschaft und Bauwerke hier machen, ist nie durch Gemälde oder gar Photographie zu erreichen, die rein malerische Schönheit, das bunte Licht, die durch Farben erzeugte Stimmung fehlen freilich«. Weeser-Krell war von sich und seiner Arbeit sehr überzeugt. So behauptete er daß er »das Höchste geschaffen hatte, was auf dem Gebiete der Perspektiv-Konstruktion der Architektur gegenüber bis dahin  erreicht worden war und schon mit dieser Leistung (der »Peterskirche mit Vatikan in Rom«, L.U.S.) die berühmten Canalet sehen Perspektiven überholt hatte«.

zum zweiten Teil...

Unsere Leistungen:

  • Malerarbeiten
  • Aussenputz
  • Wärmedämmung
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